Über Bienen schreiben



Googelt man das Sichwort "Bienen", erhält man fast 8 Millionen Treffer, und beim Stichwort "Honig" sind es 5,6 Millionen, beim Thema "Menschen" sind es sogar 256 Millionen Einträge, und das nur in deutscher Sprache. Was soll da noch eine Seite über diese Themen? Ist nicht längst alles gesagt, geschrieben, gefilmt?

Forscher, Wissenschaftler, Bieneninstitute, Praktiker, Honighändler, Hobbyimker, Mediengestalter, Redakteure, Kampagnenmacher, Marketingexperten, Lobbyisten, Politiker, Imkervereine und Verbände haben die genannten Themen in Texten, Bildern, Präsentationen, Podcasts, Filmen in allen ihren Aspekten, dargestellt, diskutiert, bewertet...

Und jetzt noch 'ne Seite über Bienen und Menschen und Honig und alles was da noch dranhängt?

Nun: Auf eine Seite mehr oder weniger kommt es da ja wirklich nicht mehr an. Vielleicht wird das, was ich schreibe, überhaupt nicht registriert. Das wäre dann auch noch keine Kartastrophe. Ich schreibe nämlich zuerst einmal für mich selbst.

Ich schreibe über Bienen, weil mir das journalistische und literarische Schreiben Spaß macht. Ganz zweckfrei ist das nicht. Seit ich vor anderthalb Jahren mit dem Imkern begonnen habe, beschäftigt mich das Thema nicht allein von der praktischen Seite. Fast täglich bin ich seitdem im Internet unterwegs, um irgendeine "Bienenseite" zu erkunden, oder zu einem Aspekt der Biologie, Kultur oder der Haltung dieses für uns wichtigen Nutzinsekts etwas herauszufinden.

Auch "Bienenliteratur", vom Handbuch für Imker bis hin zum literarischen "Bienenthriller" beschäftigen mich. Je mehr ich über meine neuen Haustiere erfahre, umso faszinierender werden sie mir.

Manches, was mir auf meinen analogen und digitalen Streifzügen begegnet, möchte ich mir merken, manches fordert mich zur Stellungnahme heraus, aber vieles, was im Zusammenhang mit der Honigbiene steht, finde ich so spannend, dass es mich drängt, es anderen mitzuteilen.

Ersparen möchte ich meinen potentiellen Lesern Belanglosigkeiten, wie sie im Zeitalter von "Social Media" massenhaft verbreitet werden. Wen interessiert schon digitaler Smalltalk?  Meine täglichen praktischen Arbeiten an den Bienen, oder wie das Bienenwetter heute ist... sind für die meisten Menschen relativ uninteressant. Darüber tausche ich mich lieber mit meinem Bienenpaten im direkten Gespräch aus.

Als Student in einer Zeit, als ich noch nicht daran dachte, selbst Bienenhalter zu sein, habe ich die großartigen "Bemerkungen über Bienen" von Horst Stern gelesen. Dieses Buch aus dem Jahr 1971, das leider nicht mehr aufgelegt wird, enstand im Anschluss an seine berühmten Sendungen "Sterns Stunde". Es steht immer noch in meinem Bücherregal, und ich habe es vor einigen Wochen noch einmal gelesen.

Es wäre unbescheiden, mich mit dem berühmten Tierjournalisten auf eine Stufe stellen zu wollen, aber für meine Texte und Aufsätze über "Bienen und Menschen" habe ich in dem begnadeten Wissenschaftsjournalisten ein großes Vorbild.

Seine Mission war es, in einer Zeit, als die "Umweltbewegung" noch in den Kinderschuhen steckte, gegen eine sentimentale Mensch-Tier Beziehung anzuschreiben. Sachlich im Inhalt, witzig und unterhaltsam im Ton, hat er mit seinen Diskussionsbeiträgen über unsere Nutztiere öffentliche Debatten angestoßen, die wir heute noch längst nicht als erledigt abhaken können. "Tierschutz" ist seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz verankert, in der Tierschutzpraxis gibt es noch viel zu tun.

Einiges von dem, was Stern beschrieben hat, müsste vielleicht mal ein Update bekommen, aber sein Anliegen, uns ein  Insekt und seine Leistungen ins Bewusstsein zu bringen, sind hochaktuell. In mehr als 40 Jahren ist auch in der Bienenforschung viel passiert. Das müsste mal journalistisch aufgearbeitet werden, um eine breite Öffentlichkeit an der Faszination für die Honigbienen teilhaben zu lassen."Wir lieben nur was wir kennen", heißt es, und "wir schützen nur, was wir lieben" - das hat Horst Stern bei seinem Publikum erreicht.

Der Tagespresse traue ich in Sachen "Bienenberichterstattung" nicht viel zu. Schlagzeilen wie: "Summ mir das Lied vom Tod" oder "Der stille Tod der Bienen gefährdet die Zukunft der Menschheit" oder "Bienensterben vernichtet bis zu 300 Milliarden Euro" wirken bedrohlich und fördern die Auflage. Es ist der alte Journalistenspruch "only bad news are good news", der hier vor sachlich korrekter Berichterstattung steht.

Man darf sich sicher in Bezug auf Bienen berechtigt Sorgen machen, und ich will auch nichts verharmlosen, aber eine reale Katastrophe zeichnet sich nicht ab, zumindest nicht, solange es noch eine gewissenhafte Imkerei gibt. Panik führt zur Kurzschlussreaktion, zu unsinnigem Aktionismus, zu gesellschaftlichen Ängsten und nicht zu einer nachhaltigen Lösung von Problemen. Außerdem finden sich in vielen Berichten Behauptungen und Vorwürfe, die nachweislich falsch sind. Man glaubt halt lieber einer einfachen Lüge, als einer komplexen Wahrheit.

Für meine Texte habe ich mich für die Literaturform "Essay"  entschieden. " Aufgabe [des Essays] ist es, den Integrationsprozess der Wissenschaft […] durch eine Analyse des Kunstwerks zu fördern" sagte der Literaturkritiker Walter Benjamin, und der alte Schopenhauer gibt den Rat:" Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge" - Nun denn, ich will mich bemühen.

Als "Praktiker" mit bereits etwas Erfahrung in der Hobbyimkerei habe ich einen idealen Zugang zu dem ergiebigen Thema Bienen und Menschen. Aber mein Blick auf die Bienen und auf die Menschen ist ausdrücklich nicht nur der Blick durch den Schleier des Imkers.





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