Dienstag, 28. Oktober 2014

Symbolpolitik - Bundesbiene statt Bundesadler


 Krönungsmantel mit Bienen - Wappen Napoleons
Historisch betrachtet hatte die Bundesrepublik zwei Mal die Chance sich ein neues Wappentier zu wählen. Schade, dass man sich 1950 und 1989 für den Bundesadler entschieden hat.


Hoheitssymbole wollen seit jeher etwas aussagen über die Eigenschaften eines Volkes, oder über dessen Herrscher. Ich sehe ein, dass es diverse historische Gründe für den Bundesadler gibt. Aber man kann nicht übersehen, dass der Adler in der deutschen Heraldik fast immer für die herrschende Klasse stand. Als deutsches Wappentier für das aufstrebende Wirtschaftswunderland wäre die Biene passender gewesen.

Welches Tier könnte denn "deutsche Tugenden" besser repräsentieren als die Biene? Welches andere Tier wäre denn exemplarischer für Disziplin, Fleiß, Pflichtbewusstsein, Ordnungssinn, Mut, Treue, und Sparsamkeit?

Der Bienenforscher Thomas Seeley glaubt sogar "Bienendemokratie" im Verhalten der Insekten feststellen zu können. Mit der Biene im Wappen bräuchten wir uns also noch nicht einmal Untertanengeist und Obrigkeitsgläubigkeit vorwerfen zu lassen. Die Engländer haben ja auch ihre Queen und sind ein demokratischer Staat. Außerdem gibt es ja schon eine semantische Alternative zur "Bienenkönigin". Man könnte sie ja künftig "Stockmutter", oder - etwas liebevoller - "Stockmutti" nennen.

Nicht dass ich alte Preußenüberheblichkeit unterstützen will. Sprüche  wie: "Und es mag am deutschen Wesen // Einmal noch die Welt genesen." klingen nicht nur dumm, sie sind es . Aber haben nicht auch Honig und Wachs, Produkte "made in beehive", die Welt bewegt? What about "made in Germany"?

Bundesadler im Entwurf von
Karl-Tobias Schwab (1926)
Nichts gegen den Adler, aber im Vergleich zur Biene ist seine Leistungsbilanz so mager wie sein Erscheinungsbild.

Im Tierreich sind die Bienen Weltmeister in Logistik, rationellem Personaleinsatz, in Arbeitsorganisation und Effizienz. Sie pflegen hochprofitable Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Insekten, namentlich Blättläusen, und zum Reich der Blühpflanzen. Ihre Stärke ist der Dienstleistungssektor Bestäubung. Der Arbeitseifer der Belegschaften soll in meiner Auflistung nicht vergessen werden. Sogar die frühkindliche Staatserziehung in KiTas und Krippen haben wir mittelerweile mit den Bienen gemeinsam.

Warum sollten wir uns nicht ein neues und aussagekräftigeres Nationalsymbol Biene leisten? Symbole stehen für gemeinsame Werte und Tugenden. Sie dienen der Identifikation und Solidarisierung mit einem Staat.

Dass es ja durchaus ginge, hat uns Napoleon Bonaparte gezeigt. Der Franzosenkaiser hatte nicht nur den Schneid, sich selbst die Kaiserkrone aufzusetzen. Dass ausgerechnet ein Franzose sich des Wappentiers Biene bemächtigt, mag angesichts des Klischees vom französischen Lebenskünstler, der mehr auf "l'art de vivre" fixiert ist als auf wirtschaftlichen Erfolg, befremdlich erscheinen. Aber das war gelungene Symbolpolitik.
Bienen aus dem Childerich Schatz
 (5.Jhd)



Der Merowingerkönig Childerich hat den Grundstein für das spätere Frankenreich gelegt, und der Korse sieht sich als Begründer eines neuen Frankenreiches. Die Childerich-Bienen auf Napoleons Krönungsmantel drücken symbolisch den Sieg der französischen Revolution über die verhassten Bourbonen aus - Bienen statt Lilien.

Humor bewiesen hat Bonaparte bei einem anderen Heraldikthema. Den Ritterhelm in den Prunkwappen der alten Aristokratie ließ er durch die Kochmütze ersetzen. Vive la France! Es lebe die Republik und die Cuisine française!

Mainzer Wappen von 1811-1813
Der Franzosenkaiser adelte mit seinen Wappenbienen übrigens auch deutsche Städte, die mit ihm politisch kooperierten. Die "Guten Städte des französischen Kaiserreiches (Bonnes villes de l'Empire français)"  durften gleich drei goldene Bienen in ihre Stadtinsignien aufnehmen. Ein schönes Beispiel ist das Mainzer Stadtwappen. Würde man die Krone mit dem napoleonischen Adler jetzt noch durch den Bundesadler ersetzen, hätte man ja schon fast einen idealen Kompromiss aus Tradition und Volksrepräsentanz. Rot und Gold sind auch schon da, Schwarz fehlt noch.



Auch Köln war einmal Bienenstadt.
Napoleonisches Wappen Bildquelle
Hamburg, Bremen, Köln, Mainz, und Aachen trugen übrigens auch schon einmal vorübergehend Napoleons Bienen in ihren Wappen. Damit relativiert sich das Traditionsargument für den Adler. Wir Deutschen sind zwar historisch bedingt nicht gerade Napoleonfans, aber in einer Zeit, wo Männerfreundschaften zwischen Altbundeskanzlern und Diktatoren gesellschaftsfähig sind, sollten wir uns nicht so zimperlich zeigen.

Erst kürzlich habe ich gelesen, dass die amtierende saarländische Ministerpräsidentin eine radikale Neuordnung der Bundesrepublik fordert. Sie hat dabei zwar ein eher prosaisches Thema auf ihrer Agenda, den Länderfinanzausgleich. Aber sollte sie Mehrheiten für eine Verassungsänderung finden, könnte man in einem das Thema "Adler oder Biene" mal neu verhandeln.

Der große Stern symbolisiert
die Kommunistische Partei,
die vier kleineren Sterne Arb-
eiter, Bauernstand, Intellektuelle
und Militär. Quelle
Aufpassen sollten wir, dass die Chinesen uns die Idee nicht klauen. Sie könnten vier der fünf Sterne in ihrem Wappen durch Bienen ersetzen. Der Große bliebe, um die Oligarchen im chinesischen Kaderkapitalismus zu repräsentieren, und die Bienen sind dann die kleinen Leute, die für das Turbowachstum sorgen.

Apropos Bienendemokratie. Ob im Staat der Bienen wirklich demokratische Verhältnisse herrschen, das ist ja auch nicht mehr als eine gewagte Hypothese.

Bilder: „Abeilles de Childéric Ier“ von Romain0 - Bibliothèque nationale de France. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons -


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